Der Schweizer Online-Casino-Markt 2026: Zwischen Lizenzschutz und Offshore-Realität

Die Suche nach «Casinos ohne ESBK-Lizenz» steht für eine Realität, über die in der Schweiz nicht offen gesprochen wird. Tausende Spielerinnen und Spieler weichen jeden Monat auf Offshore-Anbieter aus, obwohl neun inländische Spielbanken eine gültige Konzession besitzen. Wer nach diesem Begriff sucht, will in der Regel keine Anleitung zum Regelbruch, sondern eine ehrliche Einschätzung: Was legal ist, was in der Grauzone stattfindet, welche Schutzmechanismen die Lizenz garantiert und welche Kosten das vermeintlich grosszügigere Angebot mit sich bringt. Dieser Artikel beschreibt, was eine ESBK-Konzession tatsächlich absichert, was Offshore-Casinos im Gegenzug bieten, welche steuerlichen Konsequenzen drohen und wo Spielerinnen und Spieler mit problematischem Verhalten Hilfe finden.

Schweizer Flagge und ein Bildschirm mit Casino-Lobby, geteilt zwischen einem lizenzierten Betreiber-Logo links und einer durchgestrichenen Offshore-Domain rechts
Der Schweizer Online-Casino-Markt ist zweigeteilt: 9 lizenzierte Anbieter mit ESBK-Konzession stehen Tausenden gesperrter Offshore-Domains gegenüber

Aktualisiert am 22 September 2026 | Geprüft gegen ESBK-Whitelist (Veröffentlichung 17. März 2026), ESBK-Sperrliste (Stand 26. Mai 2026), Konzessionsregister und Spielbankenstatistik 2025 der Eidgenössischen Spielbankenkommission.

Was ein Online-Casino in der Schweiz ausmacht — und was nicht

In der Schweiz darf Online-Casino nur anbieten, wer eine landbasierte Spielbankenkonzession besitzt und diese um eine Online-Erweiterung ergänzt. Eine eigenständige Online-Lizenz, wie sie viele ausländische Regulatoren ausstellen, existiert hier nicht. Wer in der Schweiz legales Online-Casino anbieten will, braucht zwingend eine Bundes-Konzession, die in der Regel an eine physische Spielbank gekoppelt ist. Aus dieser Struktur ergibt sich die kleine Zahl: Im Jahr 2026 sind neun Online-Spielbanken in Betrieb, alle als digitale Verlängerung eines terrestrischen Casino-Standorts.

Demgegenüber steht eine schier unüberschaubare Offshore-Gegenwelt. Die ESBK-Sperrliste vom Mai 2026 listet 3’398 Domains nicht bewilligter Online-Spielangebote auf. Schweizer Internetanbieter sind verpflichtet, den Zugang zu diesen Domains technisch zu sperren. Auf der Liste tauchen bekannte internationale Namen ebenso auf wie Dutzende unbekanntere Marken, die einmal mit aggressiver Werbung auffielen und längst wieder verschwunden sind.

Die Aufsicht ist zweigeteilt: Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) überwacht das Spielbankenwesen inklusive der Online-Angebote, die Interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa) ist für Lotterien und Sportwetten zuständig. Beide Behörden führen eigene Sperrlisten und arbeiten bei Bedarf mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen. Für Spielerinnen und Spieler, die in einem Online-Casino spielen wollen, ist die Frage «lizenziert oder nicht?» deshalb mehr als eine rechtliche Fussnote: Sie entscheidet darüber, welche Schutzmechanismen greifen, welche Behörde im Streitfall zuständig ist und welche Steuern auf Gewinne anfallen.

Der Schweizer Markt in Zahlen: Was die Daten über legales und illegales Spiel verraten

Die Spielbankenstatistik 2025 der ESBK weist einen Bruttospielertrag von CHF 878,5 Mio. aus, wovon CHF 313,6 Mio. (+1,2 %) auf Online-Angebote entfallen und CHF 564,9 Mio. (−3,9 %) aus dem terrestrischen Betrieb stammen. Die Spielbankenabgabe, die in die AHV/IV fliesst, summierte sich auf CHF 353 Mio. Das ist die eine Hälfte des Bildes.

Die andere Hälfte liefert die KPMG-Studie von April 2024: Der nicht-lizenzierte Online-Casino-Markt in der Schweiz — Sportwetten und Lotterien ausgeklammert — wird auf rund CHF 180 Mio. geschätzt. Das entspricht ungefähr 40 % des gesamten Online-Casino-Marktes. Mit anderen Worten: Beinahe jeder zweite Franken, der in der Schweiz online verspielt wird, fliesst an einen Anbieter ohne Schweizer Konzession. Dieser Markt entzieht sich der Spielbankenabgabe vollständig; die KPMG-Schätzung taxiert den daraus resultierenden AHV/IV-Steuerausfall auf etwa CHF 75 Mio. pro Jahr. Das ist kein symbolischer Betrag: Es ist die Rentenlücke, die entsteht, weil einzelne Spielerinnen und Spieler auf Anbieter ohne Schweizer Aufsicht ausweichen.

Die Strafverfolgung gegen illegale Anbieter wurde 2025 spürbar intensiviert. Die ESBK liess 580 neue Domains sperren — fast 30 % mehr als im Vorjahr. Ende 2025 waren 209 Strafuntersuchungen offen, 75 Strafentscheide wurden gefällt, und 28 Hausdurchsuchungen fanden statt. Die Sperrliste wächst also nicht nur, weil neue Domains ins Netz gestellt werden, sondern auch, weil die Vollzugspraxis schärfer wird.

Die Zahlen erzählen eine klare Geschichte: Das Schweizer Online-Casino-System ist klein, konzentriert und regulatorisch eng umfasst — auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist ein paralleler Markt entstanden, der die Hälfte des Volumens ausmacht, keine Abgaben zahlt und jeden Monat aufs Neue beworben wird. Wer über «Casinos ohne ESBK-Lizenz» nachdenkt, bewegt sich also nicht am Rand des Marktes, sondern in dessen grösster Einzelkategorie.

Warum Schweizer Spieler Offshore-Casinos suchen — und was sie dort erwartet

Wer ein Offshore-Casino aufsucht, hat in der Regel drei Motive: höhere Bonus-Beträge, ein grösseres Spielportfolio und die Abwesenheit der Schweizer Sperrsysteme. Diese Anreize sind real — sie werden auch international aggressiv beworben. Was die Werbung nicht erwähnt, sind die Kosten, die mit dem Wechsel verbunden sind.

Die ESBK formuliert es unmissverständlich: «Wer nicht bewilligte Spielangebote nutzt, spielt auf eigene Gefahr. Dies bedeutet konkret, dass keine Sozialschutzmassnahmen greifen und die Auszahlung eines allfälligen Gewinns nicht garantiert ist.» Das ist keine Warnung am Rand, sondern die zentrale Rechtsfolge. Im Offshore-Casino gibt es keinen Schweizer Sozialschutz, keine OASIS-Spielsperre, keine Schweizer Schlichtungsstelle und keine Garantie, dass ein Gewinn tatsächlich ausgezahlt wird.

Ein zweiter, weniger sichtbarer Punkt betrifft die Werbung selbst. Schweizer Lizenznehmer sind an Art. 74 des Geldspielgesetzes gebunden, der aufdringliche oder irreführende Werbung untersagt. Diese Werbegrenze existiert auf der Offshore-Seite nicht. Wer dort spielt, wird mit Bonus-Staffeln, Cashback-Aktionen und «VIP-Programmen» konfrontiert, die in der Schweiz verboten wären.

Drittens, und das wird oft übersehen: Offshore-Casinos haben kein Interesse daran, Spieler vom Spielen abzuhalten. Die Sozialkonzepte, die ESBK-lizenzierte Anbieter vorhalten — Selbsttests, Einzahlungs- und Zeitlimiten, Früherkennung — sind dort nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ein Spieler, der sich selbst disziplinieren will, findet bei einem Offshore-Anbieter schlicht kein Werkzeug dafür. Das «bessere Angebot» ist also nur auf den ersten Blick besser.

Die ESBK-Lizenz: Was sie schützt — und was Spielern ohne sie alles fehlt

Die ESBK-Lizenz ist mehr als ein regulatorisches Etikett. Sie ist eine Schutzarchitektur, die fünf Bereiche abdeckt: Auszahlungssicherheit, Spielerschutz, Geldwäsche-Prävention, Streitschlichtung und Aufsicht. Wer ohne diese Lizenz spielt, gibt jeden dieser fünf Bereiche ab. Im Folgenden wird jeder einzelne Punkt erklärt — und damit auch das, was bei einem Offshore-Anbieter konkret fehlt.

Offizielles ESBK-Logo oder das Gebäude der Eidgenössischen Spielbankenkommission in Bern, darunter die fünf Schutzbereiche als Piktogramme
Die ESBK-Lizenz ist weit mehr als eine Formalie — sie sichert Auszahlung, Spielerschutz und einen Rechtsweg, den Offshore-Anbieter nicht bieten

Die rechtliche Grundlage bildet das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS), in Kraft seit dem 1. Januar 2019. Es definiert die Konzession, die Spielregeln, den Spielerschutz und die Strafbestimmungen. Die ESBK überwacht die Einhaltung und führt die Sperrliste. Ohne Lizenz verliert ein Anbieter nicht «nur» die Werbeerlaubnis, sondern den gesamten Schutzrahmen, den das Gesetz vorsieht.

Was «ohne ESBK-Lizenz» konkret bedeutet — rechtlich und praktisch

«Ohne ESBK-Lizenz» zu spielen ist für die Spielerin oder den Spieler kein Straftatbestand. Art. 130 BGS stellt das ausdrücklich klar: Die Straflosigkeit für Spielende ist die Kehrseite der Strafbarkeit der Anbieter. Wer ein Geldspiel ohne Konzession anbietet, macht sich strafbar — der Bund setzt die Sperrliste (Art. 86 BGS) durch und verfolgt die Betreiber.

Für Spielerinnen und Spieler bedeutet das: Sie können sich grundsätzlich frei auf einer Offshore-Seite anmelden und spielen, ohne eine Strafverfolgung fürchten zu müssen. Aber diese Freiheit hat fünf praktische Schattenseiten, die in den folgenden Abschnitten behandelt werden — von der Beschlagnahme bis zur Steuerpflicht. Es ist wichtig zu verstehen, dass für kein Glücksspielkonto, weder bei lizenzierten noch bei Offshore-Anbietern, eine generelle Auszahlungs- oder Einzahlungsgarantie besteht; der Spielerschutz ist bei lizenzierten Anbietern jedoch durch die Aufsicht und das Sozialkonzept wesentlich höher.

Der entscheidende Punkt ist die Formulierung der ESBK selbst: «Ausserdem gehen Spielerinnen und Spieler das Risiko ein, dass ihre Einsätze und allfälligen Gewinne im Rahmen eines Strafverfahrens gegen den Anbieter von nicht bewilligten Spielangeboten eingezogen werden.» Ein Gewinn, der im Strafverfahren gegen den Anbieter beschlagnahmt wird, ist kein Gewinn mehr. Die Straflosigkeit schützt das Verhalten, nicht das Vermögen.

Der direkte Vergleich: Was eine ESBK-Lizenz dem Spieler garantiert — und was Offshore nicht

Eine Gegenüberstellung der Schutzebenen zeigt, was eine Lizenz konkret bedeutet. Die folgende Aufstellung vergleicht fünf zentrale Bereiche:

Zweispaltige Grafik: linke Spalte mit Haken-Symbolen für ESBK-Schutz, rechte Spalte mit Kreuz-Symbolen für Offshore-Lücken
In fünf zentralen Schutzbereichen zeigt sich der Unterschied zwischen lizenziertem und unlizenziertem Spiel

Die Liste zeigt: Eine Lizenz ist nicht «nice to have», sondern ein vollständiges Schutzpaket. Wer sie nicht hat, bekommt das weder in Teilen noch auf freiwilliger Basis. Anbieter im Ausland sind an ihre eigene Jurisdiktion gebunden, nicht an die Schweizer.

Rechtliche Lage für Spieler: Keine Strafe — aber diese fünf Risiken bleiben

Die Straflosigkeit ist die einzige rechtlich klare Grösse. In allen anderen Dimensionen bleibt die Lage ambivalent. Die folgenden fünf Risiken treffen Spielerinnen und Spieler, die bei Offshore-Anbietern spielen, unabhängig davon, ob sie sich an die Spielregeln des Anbieters halten:

Waage-Symbolik: auf der einen Seite ein Spieler, auf der anderen ein Stapel Gesetzestexte mit hervorgehobenem Art. 130 BGS
Spieler machen sich nicht strafbar — doch das ist nur eine von fünf rechtlichen Dimensionen, die sie kennen sollten

1. Beschlagnahme im Strafverfahren. Wenn die ESBK oder die Staatsanwaltschaft gegen einen Offshore-Anbieter ermittelt, können Einlagen und Gewinne der Spielerinnen und Spieler als «Asservate» behandelt und im Verfahren eingezogen werden. Die ESBK weist explizit darauf hin.

2. Keine Schweizer Gerichtsbarkeit. Wer einem Offshore-Anbieter erfolgreich Geld eingezahlt hat und nun Schwierigkeiten bei der Auszahlung erlebt, kann sich nicht an ein Schweizer Gericht wenden. Eine Klage müsste am Sitz des Anbieters geführt werden — was die meisten Spielerinnen und Spieler aus Kosten- und Praktikabilitätsgründen nicht tun.

3. Banken können Zahlungen blockieren. Schweizer Banken sind nicht verpflichtet, Zahlungen an Offshore-Glücksspielanbieter zuzulassen. Transaktionen können zurückgehalten oder abgelehnt werden, ohne dass die Bank dies vorab ankündigt. Eine Garantie, dass Ein- oder Auszahlungen über Schweizer Banken funktionieren, gibt es nicht.

4. Gewinne sind steuerpflichtig. Gewinne aus nicht bewilligten Spielen unterliegen ab dem ersten Franken der Einkommenssteuer — und zusätzlich der Verrechnungssteuer. Das gilt unabhängig davon, ob der Anbieter im Ausland sitzt.

5. Keine Auszahlungsgarantie. Es gibt keine Instanz, die einen Offshore-Anbieter zwingt, einen Gewinn tatsächlich auszuzahlen. Die Spielregeln des Anbieters sind die einzige Grundlage — und sie können einseitig geändert werden.

Die Straflosigkeit verschiebt das Risiko also nicht; sie lässt es nur offen.

Die ESBK-Sperrliste: 3’398 blockierte Domains — und die Zahl wächst

Die Sperrliste ist das operative Vollzugsinstrument der ESBK. Ihre Rechtsgrundlage findet sich in Art. 86 Abs. 1–4 BGS: Anbieter von Fernmeldediensten — also Internetanbieter — sind verpflichtet, den Zugang zu den auf der Liste aufgeführten Domains technisch zu sperren. Die Liste wird regelmässig im Bundesblatt publiziert; der Stand vom 26. Mai 2026 umfasst 3’398 Einträge.

Darstellung eines Netzwerkdiagramms oder einer wachsenden Liste von Domain-Namen, mit Jahr 2025 und +580 hervorgehoben
580 neue Domains wurden 2025 gesperrt — fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Sperrliste wächst, aber sie ist kein lückenloser Schutzwall

Im Jahr 2025 wurden 580 neue Domains gesperrt — ein Wachstum von knapp 30 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist nicht nur ein Ausdruck davon, dass der Markt wächst, sondern auch davon, dass die ESBK neue Anbieter identifiziert und systematisch aufnimmt. Die Liste wird in der Regel zweimal jährlich aktualisiert und enthält Domains, Subdomains und teilweise IP-Bereiche.

Die Sperre ist eine DNS-Sperre: Sie wirkt auf der Ebene der Namensauflösung und ist relativ einfach zu implementieren. Für technisch versierte Nutzerinnen und Nutzer ist eine Umgehung über VPN-Dienste oder alternative DNS-Server möglich. Rechtlich ist die Lage hier nicht abschliessend geklärt: Die Strafverfolgung konzentriert sich auf die Betreiber, nicht auf die Spielerinnen und Spieler, die eine Sperre umgehen. Es gibt bisher keine bekannte Gerichtsentscheidung, die die Nutzung eines VPN zur Umgehung einer Sperrliste explizit unter Strafe stellt.

Die Sperrliste ist also wirksam, aber nicht lückenlos. Sie ist eine Hürde, kein Schutzwall. Wer die Hürde nimmt, ist rechtlich in einer Grauzone unterwegs, die mit den im Abschnitt «Rechtliche Lage für Spieler: Keine Strafe — aber diese fünf Risiken bleiben» beschriebenen Risiken verbunden bleibt.

Steuerliche Folgen: So werden Gewinne aus Offshore-Casinos besteuert

Die steuerliche Asymmetrie zwischen lizenzierten und unlizenzierten Gewinnen gehört zu den am häufigsten übersehenen Aspekten des Themas. Die folgende Tabelle zeigt die vier zentralen Konstellationen:

Gewinnherkunft Steuerfrei bis Verrechnungssteuer Steuerpflichtig ab
Land-Casino (CH) unbegrenzt (Art. 24 lit. i DBG) nein
Online-Casino (CH-lizenziert) und Grossspiel-Lotterien CHF 1’000’000 (indexiert ≈ CHF 1,07 Mio. für 2026) 35 % auf den Betrag über der Freigrenze (Art. 6 Abs. 1 VStG) CHF 1,07 Mio. + CHF 1
Offshore-Casino (nicht bewilligt) 35 % auf den Gesamtgewinn (Art. 6 Abs. 1 VStG) CHF 1

Der wesentliche Punkt: Wer in einem lizenzierten Online-Casino spielt und unter der Freigrenze bleibt, muss über seine Gewinne keine Steuererklärung abgeben. Wer im Offshore-Casino spielt, ist ab dem ersten Franken steuerpflichtig — und das nicht nur theoretisch, sondern mit einer konkreten Pflicht zur Deklaration in der Steuererklärung.

Die Verrechnungssteuer von 35 % wird direkt an der Quelle erhoben — bei lizenzierten Anbietern fliesst sie an die ESTV und kann über die Verrechnungssteuer-Verrechnung zurückgefordert werden. Bei Offshore-Anbietern wird sie in der Regel nicht abgezogen; sie ist dann in der Einkommensteuererklärung zu deklarieren. Wer das nicht tut, läuft Gefahr, in eine Nachforderung zu geraten — und bei späterer Entdeckung in ein Steuerverfahren.

Für die Praxis heisst das: Ein Gewinn von CHF 1’000, der in einem lizenzierten Online-Casino erzielt wird, bleibt steuerfrei. Der gleiche Gewinn, erzielt im Offshore-Casino, ist vollständig zu versteuern — bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 25 % entspricht das etwa CHF 250 weniger auf dem Konto.

Spielerschutz nach Schweizer Standard: Was lizenzierte Casinos leisten müssen

Das Sozialkonzept ist das Herzstück des Schweizer Spielerschutzes. Lizenzierte Spielbanken müssen ein Sozialkonzept vorlegen, das von der ESBK genehmigt wird. Es beschreibt, wie gefährdete Spielerinnen und Spieler erkannt, betreut und im Extremfall gesperrt werden. Anders als in vielen ausländischen Jurisdiktionen kennt das Schweizer Recht keine festen gesetzlichen Einsatz- oder Einzahlungs-Obergrenzen; der Schutz funktioniert über ein risiko-basiertes System mit Selbst- und Anbieter-Limiten.

Selbst gesetzte Limite: Spielerinnen und Spieler können in ihrem Konto Einzahlungs-, Verlust- und Zeitlimite festlegen. Diese werden von der ESBK als wichtiges Frühwarn-Instrument eingestuft.

Anbieter-Limite: Die Spielbanken setzen zusätzlich eigene Limite, die auf der wirtschaftlichen Situation der Spielerin oder des Spielers basieren. Wer regelmässig hohe Summen einzahlt, kann vom Anbieter auf ein tieferes Limit gesetzt werden.

Früherkennung: Lizenzierte Anbieter überwachen das Spielverhalten und greifen ein, wenn Anzeichen für problematisches Spielen auftreten — etwa stark steigende Einsätze, Jagd nach Verlusten oder ungewöhnliche Spielzeiten.

Die OASIS-Spielsperre: Eine Selbst- oder Fremdsperre wirkt über alle lizenzierten Anbieter hinweg — Land-Casino, Online-Casino und Grossspiel-Lotterien sind verbunden. Seit dem 7. Januar 2025 gilt die Spielsperre auch im Fürstentum Liechtenstein. Die Mindestdauer beträgt drei Monate; eine Aufhebung erfolgt nur, wenn der Grund für die Sperre weggefallen ist.

Werbe-Beschränkungen: Art. 74 BGS untersagt aufdringliche oder irreführende Werbung, Werbung an Minderjährige und Werbung für nicht bewilligte Angebote. Die Wettbewerbskommission (WeK) prüft aktuell, ob sich Schweizer Online-Casinos bei Suchmaschinen-Werbung auf Markennamen-Koordination geeinigt haben — ein Indiz dafür, wie intensiv der Werbemarkt umkämpft ist.

Offshore-Casinos haben keines dieser Elemente. Eine Selbstsperre müsste bei jedem Anbieter separat eingeholt werden, eine zentrale Sperre existiert nicht. Anbieter-Limite sind freiwillig und können ohne Konsequenz geändert werden. Werbung folgt nur den Regeln der jeweiligen Jurisdiktion — und die ist in Malta, Curaçao oder den seltensten Fällen besonders streng.

ESBK-lizenzierte und Offshore-Anbieter im Direktvergleich

Wer zwischen ESBK-lizenzierten und Offshore-Anbietern vergleicht, braucht eine Tabelle, die die wichtigsten Eckdaten gegenüberstellt. Die folgende Übersicht zeigt die zehn Anbieter, die in dieser Analyse unter die Lupe genommen wurden — sechs lizenzierte und vier Offshore-Marken. Nicht jede Zelle lässt sich füllen, weil insbesondere Offshore-Anbieter ihre Konditionen nicht immer transparent publizieren.

Zwei Reihen von Casino-Logos: oben sechs mit grünem ESBK-Haken, unten vier mit rotem Sperrlisten-Kreuz
Die zehn analysierten Anbieter im Überblick: 6 mit Schweizer Lizenz, 4 auf der ESBK-Sperrliste
Betreiber Domain Lizenzstatus (Aufsichtsbehörde) Willkommensbonus Freispiele OASIS/Spielsperre
Jackpots (Grand Casino Baden) ESBK-Konzession (CH) 100 % bis CHF 700 (1. Einzahlung), bis CHF 2’200 über 4 Einzahlungen 200 (mit 1. Einzahlung ab CHF 100) ja
Mycasino (Grand Casino Luzern) ESBK-Konzession (CH) 100 % bis CHF 300 200 (50 sofort + 150 über 3 Freitage) ja
online.swisscasinos.ch online.swisscasinos.ch ESBK-Konzession (CH) ja
Pasino (Grand Casino Meyrin) ESBK-Konzession (CH) 100 % bis CHF 500 350 (in 6 Raten) ja
Swiss4win (Casinò Lugano) ESBK-Konzession (CH) bis CHF 1’000 (gestaffelt) 200 + 15 Golden Chips ja
Starvegas (Casino Interlaken) ESBK-Konzession (CH) CHF 300 (bestätigt; Homepage wirbt mit CHF 900 + 250 FS) 250 (laut Homepage) ja
Interwetten Offshore (Malta/Curaçao) 100 % bis CHF 200 + CHF 10 Freebet (ohne Einzahlung) nein
Bet365 Offshore (UKGC/Gibraltar) nein
Stake Offshore (Curaçao) 200 % bis USD 2’000 nein
1xBet Offshore (Curaçao) nein

Was die Tabelle zeigt, ist weniger eine «beste Wahl» als eine Struktur: Sechs Anbieter mit Schweizer Aufsicht, vollständig in OASIS eingebunden, mit definierten Boni und Auszahlungsbedingungen — und vier Anbieter ohne Schweizer Aufsicht, ohne OASIS und mit Boni, die sich jederzeit ändern können. Die Felder mit «—» stehen für Informationen, die der jeweilige Anbieter nicht transparent kommuniziert.

Was 30× Umsatzbedingung konkret heisst. Am Beispiel des Anbieters Jackpots lässt sich zeigen, wie sich eine Bonusbedingung in tatsächlichen Spielaufwand übersetzt. Bei einem Bonus von CHF 700 und einer 30-fachen Umsatzbedingung fallen rund CHF 21’000 Spielumsatz an. Wer mit einem Einsatz von einem Franken pro Dreh spielt, muss dafür etwa 21’000 Spins absolvieren. Bei einem typischen 5-Sekunden-Intervall entspricht das rund 29 Stunden ununterbrochenem Spiel — vorausgesetzt, nur der Bonus selbst wird gesetzt, ohne weitere Einzahlungen. Das ist ein statistischer Mittelwert über viele einzelne Spins und keine Garantie für ein bestimmtes Ergebnis. Aber es zeigt, dass hinter einem «bis zu CHF 700 Bonus» schnell ein mehrtägiger Spieleinsatz steht, bevor ein Bonus-Cent auszahlbar wird.

Die ESBK-Whitelist: Wo Sie lizenzierte Anbieter offiziell prüfen

Die ESBK veröffentlicht ihre Liste der lizenzierten Online-Spielbanken auf der eigenen Website. Die aktuelle Liste mit Veröffentlichungsdatum 17. März 2026 nennt neun Anbieter mit Konzession und den zugehörigen Handelsregister-Einträgen. Sie ist die einzige verlässliche Quelle, um zu prüfen, ob ein Anbieter in der Schweiz legal operiert.

Was die Whitelist nicht ist: Sie ist kein Bonus-Vergleich und kein Qualitäts-Ranking. Sie sagt nichts darüber, welcher Anbieter die beste Spielauswahl hat oder den höchsten Bonus zahlt. Sie sagt nur: Dieser Anbieter hat eine Konzession, unterliegt der Aufsicht, ist an OASIS angebunden und ist damit in den Schutzrahmen des BGS eingebettet.

Wer einen Anbieter prüfen will, geht am besten in drei Schritten vor: Erstens, die Domain mit der Whitelist abgleichen. Zweitens, das Impressum der Seite auf einen Schweizer Eintrag prüfen. Drittens, den ESBK-Eintrag auf Aktualität kontrollieren — Konzessionen können ruhen oder entzogen werden. Wer ein Angebot findet, das auf keiner dieser drei Ebenen standhält, sollte davon ausgehen, dass es sich um ein Offshore-Angebot handelt.

Jackpots.ch (Grand Casino Baden) — erster lizenzierter Online-Start der Schweiz

Jackpots.ch gehört zum Grand Casino Baden und ging am 5. Juli 2019 als erste Schweizer Online-Spielbank an den Start. Die Konzession trägt die Nummer 516-003. Das Willkommenspaket umfasst 100 % bis CHF 700 auf die erste Einzahlung sowie 200 Freispiele, sofern mindestens CHF 100 eingezahlt werden. Über vier Einzahlungen hinweg lässt sich das Bonusvolumen auf insgesamt bis zu CHF 2’200 steigern. Die Umsatzbedingung beträgt 30× auf den Bonus — das bedeutet, dass der Bonusbetrag dreissig Mal durchgespielt werden muss, bevor eine Auszahlung möglich wird. Pragmatic Play und Evolution gehören zu den sichtbaren Providern. OASIS ist angebunden.

Das Willkommenspaket ist grosszügig, gemessen am lizenzierten Markt. Die 30-fache Umsatzbedingung ist Standard für Schweizer Anbieter — sie liegt im Mittelfeld, nicht am oberen Rand. Für Spielerinnen und Spieler, die ohnehin im lizenzierten Umfeld spielen wollen, ist das Angebot von Jackpots ein solider Einstieg mit dem Bonus, der im lizenzierten Feld am höchsten ausfällt.

Mycasino (Grand Casino Luzern) — 200 Freispiele und etablierte Plattform

Mycasino wird vom Grand Casino Luzern betrieben. Die Online-Verlängerung der Konzession A 326-12 wurde am 7. Juni 2019 erteilt. Das Willkommenspaket umfasst 100 % bis CHF 300 sowie 200 Freispiele, die in zwei Tranchen gutgeschrieben werden — 50 Freispiele sofort nach der Einzahlung, weitere 150 über die drei folgenden Freitage. Die Umsatzbedingung liegt mit 35× leicht über der von Jackpots. Als Spielprovider sind Evolution und iSoftBet sichtbar.

Im Vergleich zu Jackpots fällt der Bonusbetrag niedriger aus, dafür ist die Free-Spin-Struktur konsequenter auf mehrere Tage verteilt. Das verteilt das Spielrisiko und passt zum Schweizer Modell, das auf kontrolliertes Spielen über die Zeit setzt.

Swiss Casinos (Grand Casino Pfäffikon) — etablierter Landbetreiber mit Online-Plattform

Swiss Casinos wird vom Grand Casino Pfäffikon betrieben, hinter dem Casinos Austria International steht. Der Online-Start datiert auf den 2. September 2019. Die Whitelist bestätigt die ESBK-Lizenz; über die konkreten Bonus-Konditionen, Freispiele und Provider sind in der verfügbaren Recherche keine verlässlichen Angaben zu finden.

Wer auf der Suche nach dem etablierten Landbetreiber mit Online-Plattform ist, landet hier richtig. Für die Konditionen heisst das: aktuelle Bonus-Bedingungen müssen direkt beim Anbieter geprüft werden — die Recherche lässt sich nicht auf verifizierte Zahlen stützen.

Pasino.ch (Grand Casino Meyrin) — 350 Freispiele, das höchste Free-Spin-Kontingent im Vergleich

Pasino.ch gehört zum Grand Casino Meyrin und ging am 16. November 2020 online. Das Willkommenspaket umfasst 100 % bis CHF 500 sowie 350 Freispiele, die in sechs Raten gutgeschrieben werden. Die Umsatzbedingung wurde in der verfügbaren Quelle nicht beziffert.

Mit 350 Freispielen hebt sich Pasino.ch deutlich von den Mitbewerbern ab — kein anderer lizenzierter Anbieter im Sample bietet eine vergleichbare Anzahl. Die Aufteilung auf sechs Raten bedeutet, dass die Spielerin oder der Spieler sechs Anlässe hat, das Spiel zu starten — was den Druck auf einen einzelnen Spielsitzungstag reduziert. Wer Freispiele über den Bonus-Betrag stellt, findet hier das beste Angebot im lizenzierten Feld.

Swiss4win (Casino Lugano) — bis zu CHF 1’000 Bonus, das höchste Willkommenspaket der Lizenzierten

Swiss4win.ch ist das Online-Angebot des Casinò Lugano und trägt die Konzession 2023-A-11-E. Das Willkommenspaket ist mit bis zu CHF 1’000 + 200 Freispielen + 15 Golden Chips das umfangreichste im lizenzierten Sample. Die Struktur ist mehrstufig — Spielerinnen und Spieler können bereits ab einer Einzahlung von CHF 10 von den Boni profitieren. Die genaue Umsatzbedingung wurde in der verfügbaren Quelle nicht beziffert.

Der hohe Bonus und die niedrige Einstiegsschwelle machen Swiss4win für Spielerinnen und Spieler interessant, die mit kleinen Einsätzen starten wollen. Im Vergleich zu Jackpots ist das Paket deutlich umfangreicher — vorausgesetzt, die Umsatzbedingung bewegt sich im üblichen Rahmen.

StarVegas (Casino Interlaken) — Novomatic-Technologie aus erster Hand

Starvegas.ch wird vom Casino Interlaken betrieben, hinter dem die Novomatic-Gruppe steht. Der Online-Start war am 24. Februar 2020. Die Bonus-Situation ist uneinheitlich: Die Homepage des Anbieters bewirbt ein Paket von CHF 900 + 250 Freispielen; die tatsächlich verfügbare Grösse liegt bei CHF 300 Bonus und 250 Freispielen. Die Diskrepanz ist ein Hinweis auf die Schwierigkeit, Bonus-Konditionen aus unterschiedlichen Quellen zu vergleichen. OASIS ist angebunden.

Für Spielerinnen und Spieler, die Wert auf Novomatic-Slots legen, ist StarVegas die erste Adresse im lizenzierten Feld. Die Bonus-Konditionen sollten vor der Anmeldung direkt beim Anbieter geprüft werden — die offiziell beworbenen und die tatsächlich verfügbaren Werte können auseinanderfallen.

Interwetten — Sportwetten-Grösse mit Casino, aber ohne ESBK-Lizenz

Interwetten ist ein europäischer Anbieter mit Sitz in Malta und Curaçao, der in der Schweiz auf der ESBK-Sperrliste steht. Das Willkommensangebot umfasst 100 % bis CHF 200 auf die erste Einzahlung sowie einen CHF 10 Freebet ohne Einzahlung. Die Umsatzbedingung beträgt 6× auf Bonus plus Einzahlung im Sportwetten-Bereich (Mindestquote 1,50) und 35× auf die Freebet-Gewinne. OASIS ist nicht angebunden — wer sich hier sperren lassen will, muss dies direkt beim Anbieter tun.

Interwetten ist ein Beispiel für die hybride Struktur vieler Offshore-Anbieter: Sportwetten sind das Kerngeschäft, das Casino-Angebot eine Beigabe. Für Schweizer Spielerinnen und Spieler, die aus Gewohnheit bei Interwetten sind, ändert sich durch den Wechsel in die Schweiz eines: Der Schutz des Schweizer Rechts fällt weg.

Bet365 — globaler Marktführer ohne Schweizer Zulassung

Bet365 ist der weltweit grösste Online-Wettanbieter und verfügt über Lizenzen in UKGC/Gibraltar. In der Schweiz ist der Anbieter auf der ESBK-Sperrliste — mehrere Domains (bet365.ca, .co, .co.uk, .de u.a.) sind blockiert. Konkrete Willkommensboni für die Schweiz wurden in der verfügbaren Recherche nicht verifiziert.

Für die Mehrheit der Schweizer Spielerinnen und Spieler ist Bet365 derzeit nicht erreichbar — die DNS-Sperre blockt mehrere Domains. Wer den Anbieter dennoch nutzt, tut dies über VPN und nimmt die im Abschnitt «Rechtliche Lage für Spieler: Keine Strafe — aber diese fünf Risiken bleiben» dargelegten fünf Risiken in Kauf. Aus Schweizer Sicht ist das Angebot nicht anders zu bewerten als jedes andere Offshore-Casino.

Stake — Krypto-Casino mit 4’500+ Spielen und Curaçao-Lizenz

Stake wird von Medium Rare N.V. unter einer Curaçao-Lizenz (OGL/2024/1451/0918) betrieben und steht auf der ESBK-Sperrliste. Das Willkommensangebot umfasst 200 % bis USD 2’000 mit 40-facher Umsatzbedingung. Die Spielbibliothek umfasst über 4’500 Titel, einschliesslich «Provably Fair Originals» — Spiele, deren Ausgang kryptografisch überprüfbar ist.

Stake ist das grösste Krypto-Casino im Sample und positioniert sich als Alternative für Spielerinnen und Spieler, die Anonymität und Spielauswahl schätzen. Beides ist im Schweizer Kontext ein Nachteil: Anonymität ist im lizenzierten Markt nicht möglich, und die Spielauswahl wird durch die ESBK-Beschränkungen reguliert. Wer hier spielt, verlässt den Schweizer Schutzrahmen vollständig.

1xBet — umstrittener Offshore-Anbieter auf der ESBK-Sperrliste

1xBet ist ein Offshore-Anbieter mit Curaçao-Lizenz und steht auf der ESBK-Sperrliste. Der Anbieter ist in mehreren Jurisdiktionen umstritten — die Marketing-Praktiken sind aggressiv, und die Konzernstruktur ist komplex. Konkrete Willkommensboni für die Schweiz wurden in der verfügbaren Recherche nicht verifiziert.

1xBet repräsentiert die untere Kategorie der Offshore-Anbieter im Sample. Wer auf der Sperrliste landet und in mehreren Ländern mit negativen Schlagzeilen auffällt, sollte mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Für Schweizer Spielerinnen und Spieler gibt es keinen Grund, der für 1xBet spricht, der nicht auch für einen lizenzierten Anbieter gilt — und mehrere dagegen.

«Spielen ohne Sucht»: Was die Schweiz gegen Spielsucht tut — und wo Sie Hilfe finden

Spielsucht ist kein Randthema. Laut dem Schweizer Suchtpanorama 2026 spielten 4,3 % der Personen ab 15 Jahren in den letzten 12 Monaten vor der Befragung problematisch um Geld. Bei den 15- bis 24-Jährigen liegt der Wert bei 6,1 %, bei den 18- bis 24-Jährigen sogar bei 7,3 %. Das sind keine Einzelphänomene, sondern Ausdruck einer realen Verbreitung.

Logo von «Spielen ohne Sucht» / Sucht Schweiz, daneben eine helfende Hand oder Telefon-Symbol mit der Nummer 0800 040 080
Hilfe ist rund um die Uhr erreichbar: Die kostenlose Helpline 0800 040 080 ist der erste Schritt für Betroffene und Angehörige

Das Schweizer System gegen Spielsucht ist dreistufig aufgebaut. Auf der ersten Stufe steht die Prävention — Aufklärung, Selbsttests, Information. Auf der zweiten Stufe steht die Spielsperre als härtestes Instrument: Wer sich sperren lässt, kann in keinem lizenzierten Casino mehr spielen. Auf der dritten Stufe steht die Beratung und Therapie für Betroffene und Angehörige. Das System funktioniert nur unter ESBK-Lizenz — Offshore-Anbieter sind nicht eingebunden.

Der Schweizer Casino Verband formuliert es in Bezug auf Offshore-Anbieter so: «Die nicht-lizenzierten Anbieter unterlaufen den Schweizer Schutz vor Spielsucht, zahlen keine Steuern in der Schweiz und führen zu einem AHV-Steuerausfall von rund 75 Millionen Franken pro Jahr.» Das ist die kollektive Seite. Die individuelle Seite: Wer bei einem Offshore-Anbieter spielt und merkt, dass das Spielverhalten ausser Kontrolle gerät, hat keinen Zugang zu den Schweizer Sperr- und Hilfssystemen.

Spielsucht-Prävention und Früherkennung: Was Spieler selbst tun können

Der erste Schritt ist die Selbsteinschätzung. Auf der Website des nationalen Programms «Spielen ohne Sucht» (sos-spielsucht.ch) steht ein Selbsterhebungsbogen zur Verfügung, mit dem Spielerinnen und Spieler ihr eigenes Verhalten prüfen können. Der Fragebogen ist anonym und dauert etwa zehn Minuten. Er ist kein diagnostisches Instrument, aber er zeigt Tendenzen auf.

Warnsignale, die eine ernsthafte Auseinandersetzung verdienen, sind:

Wer eines dieser Zeichen bei sich erkennt, sollte handeln — entweder über die eigenen Einzahlungs- und Zeitlimite (in einem lizenzierten Casino) oder durch direkten Kontakt mit einer Beratungsstelle. Bei Offshore-Casinos ist der Werkzeugkasten kleiner: keine Selbst-Limite, die vom Anbieter durchgesetzt wird; keine zentrale Sperre; keine Schweizer Beratungsstelle, die eingreifen kann.

Die OASIS-Spielsperre: Wie sie funktioniert und warum Offshore-Casinos sie ignorieren

Die OASIS-Spielsperre ist die schärfste Waffe des Schweizer Spielerschutzes. Eine Spielsperre wird in das nationale Register eingetragen und wirkt über alle lizenzierten Anbieter hinweg: Land-Casinos, Online-Casinos und Grossspiel-Lotterien. Seit dem 7. Januar 2025 gilt die Sperre auch im Fürstentum Liechtenstein — grenzüberschreitend.

Im Jahr 2024 wurden 18’216 neue Spielsperren registriert — ein Anstieg von 23 % gegenüber 2023 (14’787). Die meisten dieser Sperren werden von Online-Casinos ausgesprochen. Die Mindestdauer einer Spielsperre beträgt drei Monate. Eine Aufhebung erfolgt nur, wenn der Grund für die Sperre entfallen ist — eine Sperre «mal eben» auszusprechen und kurz darauf wieder aufzuheben ist nicht möglich.

Die Wirkung der OASIS-Sperre endet an der Schweizer Grenze. Offshore-Casinos fragen das Register nicht ab und tragen Sperren nicht in ihre eigenen Listen ein. Wer sich bei einem Offshore-Anbieter sperren lassen will, muss dies direkt beim Anbieter tun — und hat keine Garantie, dass die Sperre tatsächlich durchgesetzt wird. Für Spielerinnen und Spieler, die sich aktiv vom Spielen fernhalten wollen, ist das ein erheblicher Nachteil.

Hilfsangebote in der Schweiz: Helpline, Beratung und was Betroffene jetzt tun können

Wer Hilfe sucht, findet in der Schweiz mehrere Anlaufstellen: Die kostenlose, anonyme 24-Stunden-Hotline von «Spielen ohne Sucht» (Sucht Schweiz) unter 0800 040 080 ist der erste Anlaufpunkt für Betroffene und Angehörige. Die Online-Beratung der Sucht Schweiz, SafeZone.ch, bietet schriftbasierten, anonymen Kontakt über die Website. Zudem bietet die Website des nationalen Programms, sos-spielsucht.ch, einen Selbsterhebungsbogen, Informationen und ein kantonales Verzeichnis der Fachstellen. Darüber hinaus stehen kantonale Beratungs- und Therapieangebote zur Verfügung, deren Kontaktdaten über sos-spielsucht.ch abrufbar sind. Schliesslich bieten Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Spielerinnen und Spieler in mehreren Schweizer Städten langfristige Begleitung ohne therapeutischen Anspruch an.

Für Angehörige gilt: Wer bei einer nahestehenden Person Anzeichen für problematisches Spielen erkennt, kann sich ebenfalls an die Helpline oder eine Beratungsstelle wenden. Die Fremdsperre — eine Sperre, die durch eine berechtigte Drittperson ausgesprochen wird — ist unter bestimmten Bedingungen möglich und sollte mit einer Fachstelle besprochen werden.

So haben wir recherchiert und bewertet

Diese Analyse stützt sich auf öffentliche Primärquellen: die ESBK-Whitelist, die ESBK-Sperrliste, das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS), die Spielbankenstatistik, Marktstudien sowie das Schweizer Suchtpanorama. Die Anbieter-Profile basieren auf den jeweiligen Betreiber-Websites und den offiziellen Register-Informationen.

Schreibtisch-Perspektive mit Dokumenten: ESBK-Bericht, BGS-Gesetzestext, KPMG-Studie, Betreiber-Websites
Diese Analyse stützt sich auf Primärquellen der ESBK, das Geldspielgesetz und die KPMG-Marktstudie — keine unbelegten Behauptungen

Die Bewertung der Anbieter folgt drei qualitativen Kriterien: Lizenzstatus (ESBK oder Offshore), Bonus-Transparenz (sind die Bedingungen klar publiziert?) und Spielerschutz-Anbindung (OASIS-Anbindung ja oder nein). Es werden keine numerischen Scores vergeben — die Bewertung beschreibt die Situation, nicht eine Rangliste. Die unterschiedlichen Schutz-Niveaus zwischen ESBK und Offshore sind so gross, dass eine feinere Skala wenig zusätzlichen Nutzen hätte.

Diese Analyse unterliegt Grenzen: Nicht alle Betreiber publizieren alle Daten. Bei einigen Anbietern fehlen verifizierte Bonus-Konditionen für den Schweizer Markt. Zudem sind Offshore-Daten oft lückenhaft. Wer eine verlässliche Auszahlungs-Quote sucht, findet sie bei Offshore-Anbietern selten — anders als bei ESBK-lizenzierten Casinos, die regelmässig von der ESBK geprüft werden. Eine spätere Prüfung der Anbieter-Konditionen ist daher ratsam.

Ihre Entscheidung: Lohnt sich das Risiko eines Casinos ohne Schweizer Konzession?

Die Fakten sind eindeutig, aber die Entscheidung ist individuell. Wer in einem Offshore-Casino spielt, bekommt höhere Boni, ein grösseres Spielportfolio und keine OASIS-Anbindung. Wer in einem ESBK-lizenzierten Casino spielt, bekommt Auszahlungssicherheit, Spielerschutz und Steuerfreiheit bis zur Freigrenze. Der «Preis» für die scheinbar grosszügigeren Offshore-Boni besteht aus fünf Risiken, die in den vorherigen Abschnitten aufgeschlüsselt sind: Beschlagnahme im Strafverfahren, fehlende Schweizer Gerichtsbarkeit, mögliche Banksperren, volle Steuerpflicht und keine Auszahlungsgarantie.

Eine Person vor einem Bildschirm, der eine Pro-Contra-Liste zeigt: links «Höhere Boni / Mehr Spiele», rechts «Kein Spielerschutz / Steuerpflicht / Keine Auszahlungsgarantie»
Die Abwägung ist komplex — aber die Faktenlage erlaubt eine informierte Entscheidung

Die Steuerdimension verdient besondere Aufmerksamkeit. Wer CHF 1’000 in einem lizenzierten Online-Casino gewinnt, darf den Betrag behalten — keine Steuererklärung, keine Verrechnungssteuer, kein Aufwand. Wer den gleichen Betrag in einem Offshore-Casino gewinnt, ist verpflichtet, ihn in der Steuererklärung zu deklarieren. Bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 25 % entspricht das rund CHF 250, die an die Steuerbehörde abgeführt werden müssen. Multipliziert mit einer Gewinn-Historie über mehrere Jahre, summiert sich der Unterschied schnell auf einen vierstelligen Betrag.

Die Schutzdimension ist weniger quantifizierbar, aber nicht weniger real. Eine OASIS-Sperre, die über alle lizenzierten Anbieter hinweg wirkt, ist ein Werkzeug, das nur im lizenzierten Feld existiert. Wer im Offshore-Feld spielt und merkt, dass das Spielverhalten ausser Kontrolle gerät, hat keinen Zugang zu diesem Werkzeug. Die Folgekosten einer verschleppten Spielsucht — Schulden, Beziehungsverluste, psychische Belastung — übersteigen jeden Bonus-Vorteil bei Weitem.

Die Frage, die sich jeder Spieler stellen sollte, lautet daher: Was ist der höhere Wert — ein Bonus von CHF 200 oder 700 mehr, oder ein Schutzsystem, das im Ernstfall greift? Wer die zweite Frage mit «der Bonus» beantwortet, sollte die fünf Risiken bewusst akzeptieren. Wer sie mit «der Schutz» beantwortet, ist im lizenzierten Feld besser aufgehoben. Es gibt keine dritte Option, die beide Vorteile kombiniert.

Die ESBK-Sperrliste ist ein technisches Instrument, das den Zugang zu Offshore-Angeboten erschwert, aber nicht verhindert. Wer den Weg über VPN geht, bleibt rechtlich in einer Grauzone, die im Zweifelsfall gegen die Spielerin oder den Spieler ausgelegt wird. Die Sperrliste ist eine Hürde, keine Garantie.

Häufig gestellte Fragen

Mache ich strafbar, wenn ich in einem Online-Casino ohne ESBK-Lizenz spiele?

Nein. Nach Art. 130 des Geldspielgesetzes (BGS) machen sich Spielerinnen und Spieler nicht strafbar, wenn sie bei einem nicht konzessionierten Anbieter spielen. Strafbar macht sich der Anbieter. Allerdings spielen Sie auf eigene Gefahr: Es gibt keine Sozialschutzmassnahmen, keine Auszahlungsgarantie und das Risiko, dass Einsätze und Gewinne im Strafverfahren gegen den Anbieter eingezogen werden. Gewinne sind zudem ab dem ersten Franken steuerpflichtig.

Was passiert mit meinen Gewinnen aus nicht bewilligten Online-Casinos?

Gewinne aus Offshore-Casinos unterliegen ab dem ersten Franken der Einkommenssteuer und sind in der Steuererklärung zu deklarieren. Zusätzlich fällt eine Verrechnungssteuer von 35 % an (Art. 6 Abs. 1 VStG). Im Unterschied zu Gewinnen aus lizenzierten Schweizer Online-Casinos gibt es keine Freigrenze. Wer Gewinne nicht deklariert, riskiert eine Nachforderung und im Wiederholungsfall ein Steuerverfahren.

Wie funktioniert die DNS-Sperre der ESBK und lässt sie sich umgehen?

Die ESBK-Sperrliste umfasste am 26. Mai 2026 3’398 Einträge nicht bewilligter Online-Spielangebote. Schweizer Internetanbieter sind nach Art. 86 BGS verpflichtet, diese Domains auf DNS-Ebene zu sperren. Eine Umgehung über VPN-Dienste oder alternative DNS-Server ist technisch möglich, aber rechtlich nicht abschliessend geklärt. Die Strafverfolgung konzentriert sich auf Anbieter, nicht auf Spielerinnen und Spieler.

Sind meine Gewinne aus Offshore-Casinos steuerpflichtig in der Schweiz?

Ja. Gewinne aus nicht bewilligten Spielen sind ab dem ersten Franken steuerpflichtig und unterliegen der Verrechnungssteuer von 35 %. Im Unterschied zu Gewinnen aus lizenzierten Schweizer Online-Casinos gibt es keine Freigrenze von rund CHF 1,07 Mio. Offshore-Gewinne müssen in der Steuererklärung deklariert werden; eine fehlende Deklaration kann zu einer Nachforderung führen.

Was ist die Sperrliste der ESBK und wie viele Domains sind betroffen?

Die Sperrliste der ESBK ist das bundesrechtliche Vollzugsinstrument zur Sperrung nicht bewilligter Online-Spielangebote nach Art. 86 BGS. Sie wird im Bundesblatt publiziert und regelmässig aktualisiert. Im Mai 2026 umfasste die Liste 3’398 Einträge. Im Jahr 2025 wurden 580 neue Domains gesperrt — ein Wachstum von knapp 30 % gegenüber dem Vorjahr.

Warum verlieren Schweizer Spieler jährlich Millionen bei illegalen Anbietern?

Die KPMG-Studie von April 2024 schätzt den nicht-lizenzierten Online-Casino-Markt in der Schweiz auf rund CHF 180 Mio. — etwa 40 % des gesamten Online-Casino-Marktes. Diese Mittel fliessen an Anbieter ohne Schweizer Konzession, die keine Spielbankenabgabe zahlen. Daraus ergibt sich laut KPMG ein AHV/IV-Steuerausfall von etwa CHF 75 Mio. pro Jahr. Der Verlust entsteht nicht direkt bei den Spielenden, sondern kollektiv bei der AHV/IV.

Was ist die ESBK und wie funktioniert die ESBK-Lizenz?

Die ESBK — Eidgenössische Spielbankenkommission — ist Teil des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) und nimmt die bundesrechtliche Aufsicht über die Spielbanken wahr. Sie entscheidet über Konzessionsgesuche, überwacht den Betrieb und führt die Sperrliste nicht bewilligter Angebote. Ihre Rechtsgrundlage findet sich im Geldspielgesetz (BGS) und in der Spielbankenverordnung.

Eine ESBK-Konzession wird nicht willkürlich erteilt: Der Bundesrat vergibt sie auf Antrag und nach einem Verwaltungsverfahren. Für die Periode 2025–2044 wurden die Konzessionen im Jahr 2023 erteilt. Wer eine Online-Erweiterung anbieten will, muss zusätzlich die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für den Online-Betrieb nachweisen. Die Konzession ist befristet, an Standorte und an Sozialkonzepte gebunden. Wer sie verliert — etwa wegen gravierender Verstösse gegen das Sozialkonzept — verliert auch die Online-Erlaubnis.

2025 hat die ESBK 28 Hausdurchsuchungen durchgeführt, 209 offene Strafuntersuchungen bearbeitet und 75 Strafentscheide gefällt. Das ist kein theorethischer Apparat: Die Aufsicht greift, wenn sie Verstösse erkennt. Das gilt für illegale Anbieter ebenso wie für lizenzierte, die gegen Auflagen verstossen.